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Habe ich vielleicht "Stillen Reflux"?

Sehr verehrte Leserinnen, sehr geehrter Leser!

Im Folgenden darf ich Ihnen einige Punkte zum Thema „Stiller Reflux“ erläutern.

In vielen Anfragen an mich geht es um den sog. „Stillen Reflux“. Merkwürdigerweise ist das fast „Mode“ geworden und man gewinnt den Eindruck, nun wäre endlich etwas Besonderes und fast Geheimnisvolles in der Medizin entdeckt worden. Ich erkläre ihnen kurz, wie das alles zusammenhängt:

Beim „stillen Reflux“ geht es eigentlich um den sog. „respiratorischen Reflux“. Die wissenschaftlich unscharfe Nomenklatur des sog. „Stiller Reflux“ entstand vor langer Zeit, als man noch nicht genau wusste, wie das alles zusammenhängt. Aber was steht dahinter?

Bei der chemischen Verdauung im Magen spielen Pepsine eine entscheidende Rolle. Pepsine sind aggressive Proteasen, also Enzyme, die Proteine angreifen und zersetzen können. Aber auch alle unsere Körperzellen bestehen aus Proteinen. Daher wird die Aktivität dieser Substanzen im Magen mittels eines feinen Regelwerks von Nervenimpulsen und gastrointestinalen Hormonen kontrolliert.

Wenn nun aber der Verschluss zwischen Magen und Speiseröhre nicht funktioniert, entkommen diese Substanzen dem Magen und steigen nach oben auf. Dabei verhalten sich Pepsine jedoch etwas anders als die Salzsäuren. Sie steigen überwiegend gasförmig als Aerosole auf. Die Speiseröhre dient gewissermaßen nur als Schornstein und schleust die Pepsine nach oben hindurch. Zunehmend wird auch das Aufsteigen von Gallensäuren, der sog. DGER, also ein Reflux von Gallensäuren aus dem Zwölffingerdarm hoch bis zum Rachen diskutiert. Lesen Sie gern dazu den Blog "Gallereflux".

All diese Substanzen aus der Tiefe strömen hoch über den Kehlkopf, weiter zum Rachen, zur Mundschleimhaut, zur Zunge und in den Nasennebenhöhlen. Nicht selten werden sie beim Einatmen sogar mit in die Bronchien und Lungen gesogen und erzeugen asthmaartige Beschwerden. Auch können sie auch über die sog. „Eustach´sche Röhre“ in das Mittelohr gelangen oder über die Tränengänge zu den Augen. Gerötete Augen, Hautreizungen im Gesicht und wiederholte Mittelohrentzündungen haben hier ihre eigentlich Ursache. Grundsätzlich gilt: Überall dort, wo mit unserer Atmung Luft hinströmt, können sich somit diese Enzyme ausbreiten und die eigenen Zellen angreifen. Daher beschreibt der Begriff des „respiratorischen Refluxes“ dieses vielschichtige Krankheitsbild auch am exaktesten und hat mit „still“ gar nichts zu tun. Aber der Begriff "Stiller Reflux" ist aus der medizingeschichtlichen Entwicklung umgangssprachlich geblieben.

Die Folgen sind vielfältig. Jedes betroffene Organ reagiert auf seine Weise: über die Bronchien werden Hustenreiz, Atemnot und asthmaartige Erstickungsanfällen ausgelöst.Kehlkopfentzündungen verursachen Heiserkeit, Räusperzwang und Stimmschwäche. Die Nasennebenhöhlen verschwellen gern über Nacht. Patienten an zu schnarchen, was früher nicht so vorgekommen ist. In der Folge werden sogar wiederholte HNO-Operationen an den letztlich vollkommen gesunden Nasennebenhöhlen durchgeführt, weil die wirkliche Ursache der Beschwerden nicht erkannt worden ist.

So kann sich eine ganze Palette unterschiedlichster Symptome einstellen, je nachdem, welche Bereiche primär betroffen sind und wie empfindsam die jeweiligen Schleimhäute sind. In jedem Fall sind Immunsystem und Zellregeneration Tag und Nacht gefordert, um diese ständigen Entzündungen zu lindern. Das kostet Kraft und Substanz. Dies schrieb mir ein Patient:


„2013 hat alles angefangen und geht nun schon Jahre. Ich habe offenbar viele atypische Symptomen, weshalb die Diagnose wohl so lange Jahre gedauert hat. Hauptsächlich leide ich unter Atemwegs und Nebenhöhlensymptomatik, zäher Schleim im Rachen, (mind. 2x täglich ausspülen), ständiges Räuspern und ständiger Abgeschlagenheit. Mittlerweile machen mir allerdings auch die typischen Symptome wie ständiges Aufstoßen, schlechter Geschmack im Mund morgens nach dem Aufwachen usw. immer mehr zu schaffen.

Es wurde alles überprüft. Viele Lungenfachärzte aufgesucht, Kortisonspray etc. ! Leichtes Asthma wurde diagnostiziert. HNO-Arzt sagt zum CT und wieder zum Lungenfacharzt, ein anderer HNO-Arzt beginnt mit der Allergiebehandlung. Dann hat der mich an den Nebenhöhlen operiert (sogar Total-OP).Keine Besserung. Er sagt, meine Nebenhöhlen inkl. Schleimhäute sehen perfekt aus, aber die Symptome sind jedoch nach wie vor gleich und schränken meine Lebensqualität sehr stark ein. Herz, Neurologie alles ohne bzw. ohne größeren Befund. Hausarzt verschrieb mir als Test Säureblocker auch in doppelter Dosis. Allerdings alles ohne durchschlagenden Erfolg. Viel passiert ist nicht. Er sagt, dann kann es zumindest nicht vom Reflux kommen. Ich habe das Gefühl, es wird immer schlimmer. Warum bin ich so krank, so erschöpft? Ich könnte Ihnen noch viel mehr aufzählen! Anbei sende ich Ihnen erst einmal die Befunde über eine Manometrie und eine pH-Metrie, sowie eine aktuelle Gastroskopie. Vielen Dank!“


Diese Odyssee lief über 7 Jahre seines Lebens! Jetzt, nachdem Sie diesen Blog gelesen haben, hätten Sie ihn mit Sicherheit vor vielen Irrwegen bewahren können.

Ihr

Dr. med. Eckhard Löhde


Pepsine, Magensäure. Husten, Reizungen, Entzündungen, Speiseröhrenentzündungen, Krebs, Barrett, Husten, Herzattacke, Magenschmerzen, Übelkeit, Allergien, Unverträglichkeiten, Sodbrennen, Säure, Löhde, Österreich, Berlin, Zwerchfell, Hiatus, Florian Thomas, Hernie, HNO,

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